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Geschäftsverlauf

Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Hannover Rück

Die internationale Finanzmarktkrise beeinflusste im Berichtsjahr auch die Geschäftsentwicklung der Hannover Rück in nicht unerheblichem Maße. Nachdem unser Kapitalanlagenbestand nur unwesentlich von Subprime-Ausfällen betroffen war, hielten sich auch Abschreibungen auf insolvente Finanzinstitute in engen Grenzen. Allerdings konnten sich unsere Kapitalanlagen den Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten nicht völlig entziehen.

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere wirkte sich die Kursrally - verursacht durch Zinssenkungen der Zentralbanken sowie die Flucht in sichere Werte - positiv auf unser Eigenkapital aus. Dies wurde jedoch durch den Anstieg der Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen deutlich abgeschwächt. Letztlich überwog aber der positive Effekt. An den Aktienmärkten beschleunigte sich der im ersten Halbjahr begonnene Abwärtstrend im September/ Oktober noch einmal massiv. In der Folge mussten wir erhebliche Abschreibungen und Verlustrealisierungen auf unser Aktienportfolio vornehmen, die teilweise durch die Gegenwirkung von Absicherungen begrenzt werden konnten.

Angesichts des hohen Abschreibungsbedarfs haben wir am 21. Oktober 2008 eine Ad-hoc-Information veröffentlicht, mit der wir über einen deutlichen Gewinnrückgang für das dritte Quartal berichteten.

+++ Trotz Finanzmarktkrise ohne Solvenzproblem +++

Ungeachtet der deutlichen Wertberichtigungen auf unser Aktienportefeuille hat die Hannover Rück jedoch - anders als die in Schwierigkeiten geratenen Banken - keinerlei Liquiditäts- oder Solvenzprobleme. Unsere langfristige Finanzstärke ist weiterhin robust. Dies bescheinigte uns auch die Ratingagentur Standard & Poor’s, indem sie nach unserer Gewinnwarnung im Oktober unser sehr gutes Rating „AA-“ mit stabilem Ausblick bestätigte.

Bei deutlich positivem Cashflow und ohne Refinanzierungserfordernisse ist die Liquidität und Zahlungsfähigkeit der Hannover Rück-Gruppe in keiner Weise beeinträchtigt.

Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf das Rückversicherungsgeschäft stellen sich wie folgt dar:

Im Bereich der Personen-Rückversicherung ergibt sich eine Belastung der Ertragsrechnung aus in bestimmte US-Lebensrückversicherungsverträge (sog. Modified Coinsurance) eingebetteten Derivaten. Insgesamt belaufen sich die Belastungen hieraus auf 72,1 Mio. EUR.

In der Schaden-Rückversicherung wirkte sich die Finanzmarktkrise insbesondere auf die Manager- und Berufshaftpflichtsparten aus. Die Anzahl unserer direkt exponierten Managerhaftpflichtverträge in den USA war 2008 mit neun gering; dies gilt auch für die Haftungssumme. Das Prämienvolumen betrug rund 35 Mio. EUR. In der Berufshaftpflichtversicherung waren wir noch geringer exponiert. Weitere Verträge, die im weitesten Sinne von der Finanzmarktkrise betroffen sein könnten, decken Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Architekten, kleine Banken und Immobilienmakler ab. Den Exponierungen dieser Verträge tragen wir im Rahmen von Spätschadenrückstellungen angemessen Rechnung.

Unser Kredit- und Kautionsgeschäft war nicht von der Immobilienkrise betroffen, da wir keine Hypotheken- Garantieverträge zeichnen. Allerdings ist eine Verschlechterung der Schadenquoten insgesamt nicht ausgeschlossen. Auch dies haben wir im Rahmen der Spätschadenrückstellungen angemessen berücksichtigt.

Insgesamt sind jedoch die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Rückversicherung positiv: Der hohe Kapitalverlust bei den Erstversicherern führt zu einem steigenden Bedarf an Rückversicherung und damit zu steigenden Raten. Erste Anzeichen hierfür gab es bereits im Berichtsjahr. Die Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2009 bestätigte die Erwartungen eindrucksvoll. Detaillierte Informationen hierzu finden sich im Prognosebericht.

Operative Geschäftsentwicklung

Das Rückversicherungsgeschäft entwickelte sich im Berichtsjahr zufriedenstellend: Zwar war die Schaden-Rückversicherung insgesamt erwartungsgemäß durch ein „weicheres“ Marktumfeld gekennzeichnet, und die Raten gingen in den meisten Sparten zurück. Trotzdem ließen sich überwiegend risikoadäquate Preise erzielen.

+++ Weicheres Marktumfeld in der Schaden-Rückversicherung +++

Angesichts schwerer Naturkatastrophen - insbesondere durch den Hurrikan „Ike“ - zeigte sich die Großschadenbilanz im Berichtsjahr belastet und lag leicht über dem langjährigen Erwartungswert.

In Brasilien, dem größten Versicherungsmarkt des südamerikanischen Kontinents, hat die Hannover Rück nach dem Fall des Rückversicherungsmonopols eine Repräsentanz gegründet und verfügt seit Juli des Berichtsjahres über die Lizenz als „zugelassener“ Rückversicherer. Damit sichern wir uns einen direkteren Zugang zu den Kunden und haben eine optimale Ausgangsposition geschaffen, um am aufstrebenden brasilianischen Markt teilzuhaben.

+++ Gebremstes Wachstum in der Personen-Rückversicherung +++

Unser zweites Geschäftsfeld – die Personen-Rückversicherung – blieb insbesondere aufgrund dämpfender Währungskurseinflüsse im ersten Halbjahr hinter unseren Erwartungen zurück. Mittelfristig steht jedoch unser ambitioniertes Ziel, ein zweistelliges Wachstum in Originalwährungen zu erreichen. Sowohl die demografische Entwicklung in den Industrieländern als auch die wachsende urbane Mittelschicht in den Schwellenländern bieten eine gute Grundlage für dynamisches Wachstum und rechtfertigen solch ehrgeizige Pläne. Wir engagieren uns unverändert bei der Produktentwicklung für die in Deutschland noch immer vernachlässigte Kundengruppe der Senioren. Darüber hinaus sind wir in unserem größten Markt, Großbritannien, dank unserer langjährigen Ausrichtung auf sogenannte Vorzugsrenten sowie die Rückversicherung von Pensionsfonds bestens positioniert. Auch in den USA entwickeln sich die Krankenversicherungen für Senioren vielversprechend.

Unverändert interessant sind für uns schließlich auch die Wachstumsmärkte Asiens. So nahm die Hannover Rück im Berichtsjahr in China und Südkorea über ihre neu gegründeten Niederlassungen in Shanghai und Seoul den Geschäftsbetrieb auf. Auch in Indien haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um schnell auf die sich bietenden Marktchancen reagieren zu können: Im Juni schloss die Hannover Rück mit dem führenden indischen Rückversicherer GIC Re ein Kooperationsabkommen zum gemeinsamen Aufbau eines profitablen und wachstumsfähigen Portefeuilles. Die in Mumbai etablierte Servicegesellschaft unterstützt diese Pläne.

Bruttoprämie nach Regionen (in %)

Bruttoprämie nach Regionen (Tortendiagramm)

Detaillierte Informationen über beide Geschäftsfelder finden sich in den nachfolgenden Kapiteln.

Aufgrund der Aufgabe des Spezialgeschäfts Anfang 2007 sowie angesichts schwacher Fremdwährungskurse - allen voran des US-Dollars und des britischen Pfunds im ersten Halbjahr - ging die gebuchte Bruttoprämie für das Gesamtgeschäft um 1,7 % auf 8,1 Mrd. EUR (8,3 Mrd. EUR) zurück. Bei konstanten Währungskursen wäre das Prämienvolumen um 3,9 % gestiegen. Der Selbstbehalt erhöhte sich infolge deutlicher Einsparungen bei den eigenen Schutzdeckungskosten und geringerer proportionaler Abgaben auf 89,1 % (87,4 %); die verdiente Nettoprämie reduzierte sich um 3,2 % auf 7,1 Mrd. EUR (7,3 Mrd. EUR).

Entwicklung der Kapitalanlagen

Das Ergebnis unserer Kapitalanlagen war im Berichtsjahr bestimmt durch die weltweite Finanzmarktkrise. Nachdem die internationalen Aktienmärkte bereits im ersten Halbjahr an Wert verloren hatten, setzte sich die Talfahrt insbesondere im September/Oktober fort. Ursache hierfür war der durch die Krise am US-Immobilienmarkt ausgelöste Vertrauensverlust an den Finanzmärkten sowie die damit einhergehende Liquiditäts- und Kapitalkrise der Banken. Während die Zinsmärkte insbesondere zum Jahresende haussierten, weiteten sich die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen massiv aus. Erfreulich ist, dass unsere selbstverwalteten Kapitalanlagen dank eines positiven Cashflows aus der Versicherungstechnik und des Anstiegs des US-Dollars bis zum Jahresende dennoch auf nunmehr 20,1 Mrd. EUR angewachsen sind. Dies entspricht einer Erhöhung gegenüber dem 31. Dezember 2007 (19,8 Mrd. EUR) von 1,6 %. Die ordentlichen Kapitalanlageerträge ohne Depotzinsen verblieben aufgrund der Portfolioumschichtungen in niedrigverzinsliche Staatstitel im Verlauf des vierten Quartals mit 829,8 Mio. EUR (859,0 Mio. EUR) unter Vorjahresniveau.

+++ Finanzmarktkrise hinterlässt deutliche Spuren im Kapitalanlageergebnis +++

Ein Großteil der realisierten Gewinne von 379,2 Mio. EUR (244,0 Mio. EUR) ist durch die im ersten Quartal vorgenommene taktische Durationsänderung im US-Dollar-Portefeuille sowie die im vierten Quartal aufgelöste Absicherung von rund einem Fünftel des Aktienbestandes zu erklären. Dem standen realisierte Verluste von 492,8 Mio. EUR (69,7 Mio. EUR) im Wesentlichen aus der deutlichen Reduktion der Aktienquote im vierten Quartal gegenüber. Der Abschreibungsbedarf von insgesamt 479,9 Mio. EUR (71,4 Mio. EUR) ist größtenteils auf den Rückgang der Aktienmärkte während der ersten drei Quartale zurückzuführen, während Abschreibungen im festverzinslichen Bereich 96,9 Mio. EUR ausmachten. Die in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen unrealisierten Verluste resultieren vornehmlich aus US-amerikanischen Quoten-Rückversicherungsverträgen mit Depoteinbehalt, in denen die teilweise Übernahme von Ausfallrisiken vorgesehen und entsprechend zu bilanzieren ist. Das Kapitalanlageergebnis verringerte sich um 75,2 % auf 278,5 Mio. EUR (1,1 Mrd. EUR).

Ergebnis des Gesamtgeschäfts

Mit der Ergebnisentwicklung im Berichtsjahr sind wir nicht zufrieden. Das operative Ergebnis (EBIT) reduzierte sich angesichts der Auswirkungen der Finanzmarktkrise um 84,0 % auf 148,1 Mio. EUR (928,0 Mio. EUR). Das Konzernergebnis sank um 117,6 % auf -127,0 Mio. EUR (721,7 Mio. EUR); allerdings war das Vorjahr durch einen positiven Sondereffekt aus der Unternehmenssteuerreform in Höhe von 191,5 Mio. EUR (vor Anteilen anderer Gesellschafter) begünstigt. Belastend auf das Ergebnis des Berichtsjahres wirkte sich zusätzlich aus, dass Verluste auf Aktien in Deutschland steuerlich nicht absetzbar sind und so trotz eines Vorsteuerergebnisses in Höhe von 70,6 Mio. EUR eine Steuerlast von 205,6 Mio. EUR anfiel. Das Ergebnis je Aktie beträgt -1,05 EUR (5,98 EUR).

Haftendes Kapital

Haftendes Kapital (Balkendiagramm)

Gegenüber dem Stand vom 31. Dezember 2007 reduzierte sich das Eigenkapital im Berichtsjahr um 519,0 Mio. EUR auf 2,8 Mrd. EUR. Entsprechend ging auch der Buchwert je Aktie um 15,5 % auf 23,47 EUR zurück. Das gesamte haftende Kapital - bestehend aus Eigenkapital, Anteilen anderer Gesellschafter und Hybridkapital - beträgt 4,7 Mrd. EUR (5,3 Mrd. EUR).

Als Mittel der Risikoreduzierung bedienen wir uns der Retrozession, d. h., wir geben Teile der von uns in Deckung genommenen Risiken an andere Rückversicherer weiter. Die Rückversicherungsforderungen aus Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle - also Ansprüche, die wir gegenüber unseren Retrozessionären haben - reduzierten sich im Jahresverlauf auf 2,1 Mrd. EUR (2,5 Mrd. EUR). Nach wie vor legen wir großen Wert auf die Qualität unserer Retrozessionäre: Über 95 % der Gesellschaften, zu denen wir derartige Geschäftsbeziehungen unterhalten, werden von Standard & Poor’s mit einem sogenannten Investment-Grade-Rating von „BBB“ oder besser eingestuft.

Neben der traditionellen Retrozession schützen wir unser Kapital auch dadurch, dass wir Versicherungsrisiken in den Kapitalmarkt transferieren.

Im Berichtsjahr wurden der Hannover Rück gleich mehrere Auszeichnungen zuteil: So kürte die renommierte internationale Fachzeitschrift „The Review“ unsere Gesellschaft zum Rückversicherer des Jahres, und unser Vorstandsvorsitzender Wilhelm Zeller wurde mit einem Preis für seine Lebensleistung („Lifetime Achievement Award“) geehrt. Auch in Russland konnten wir punkten; hier wurden wir sogar zweimal als bester ausländischer Rückversicherer ausgezeichnet.