Kapitalmarktrisiken
Der Konzernüberschuss oder -verlust der Hannover Rück wird maßgeblich durch die beiden Komponenten „versicherungstechnisches Ergebnis“ und „Kapitalanlageergebnis“ bestimmt. Unsere Kapitalanlagebestände resultieren zum überwiegenden Teil aus Versicherungsprämien, die wir für künftige Schadenzahlungen zurückstellen. Die Risiken im Kapitalanlagebereich umfassen primär die Marktrisiken (Aktienkurs-, Zinsänderungs-, Immobilien- und Währungsrisiken sowie das Spreizungsrisiko). Weiterhin sind auch die Kreditrisiken von Bedeutung.
Das Aktienkursrisiko resultiert aus Schwankungen auf den Aktienmärkten. Bei Marktzinsänderungen sind festverzinsliche Wertpapiere dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Sinkende Marktrenditen führen zu Marktwertsteigerungen bzw. steigende Marktrenditen zu Marktwertsenkungen des festverzinslichen Wertpapierportefeuilles. Immobilienrisiken ergeben sich aus negativen Wertveränderungen eigener Immobilien. Dies kann durch einen allgemeinen Marktwertverfall (z. B. die gegenwärtige US-Immobilienkrise) oder eine Verschlechterung der speziellen Eigenschaften der Immobilie hervorgerufen sein. Immobilienrisiken sind für uns aufgrund unseres geringen Immobilienbestands von untergeordneter Bedeutung. Währungsrisiken resultieren aus Wechselkursschwankungen – insbesondere dann, wenn ein Währungsungleichgewicht zwischen den versicherungstechnischen Verbindlichkeiten und den Kapitalanlagen besteht. Durch die konsequente Anwendung der kongruenten Währungsbedeckung, also einer weitgehenden Kongruenz der Währungsverteilung zwischen Aktiv- und Passivseite, minimieren wir dieses Risiko. Das Spreizungsrisiko wiederum kann sich aus der Zinsdifferenz zwischen einer risikobehafteten und einer risikolosen Anleihe bei gleichbleibender Bonität ergeben.
Durch eine Vielzahl risikosteuernder Maßnahmen reduzieren wir diese potenziellen Risiken. Wesentliche Risikosteuerungsmaßnahmen sind die Überwachung des Value at Risk (VaR), diverse Stresstests, die das Verlustpotenzial unter extremen Marktbedingungen abschätzen, sowie Sensitivitäts- und Durationsanalysen und unser Asset-Liability-Management (ALM). Trotz unserer konservativen Kapitalanlagestrategie, der restriktiven Limit- und Schwellenwerte sowie der dargestellten Steuerungsinstrumente können wir uns nicht vollständig von den allgemeinen Marktentwicklungen abkoppeln. Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise haben wir im Berichtsjahr verschiedene risikominimierende Maßnahmen getroffen:
- Begrenzung des Anlagespektrums auf Staats- oder supranationale Anleihen im September 2008. Hiermit wurde zwar einerseits die Durchschnittsrendite für 2008 verringert, jedoch angesichts der unsicheren Marktlage auch jegliche neue Risikonahme in den Kreditmärkten eingeschränkt.
- Eliminierung jeglicher Kontrahentenrisiken bei bestehenden Optionen zur Aktiensicherung.
- Bei ohnehin bereits hoher Diversifizierung im Portfolio weitere Einengung der Emittentenlimite für alle Kapitalanlagen des Hannover Rück-Konzerns im September 2008 zur Minimierung potenzieller Kumulrisiken.
- Nahezu vollständige Reduzierung der ungesicherten Bestände börsennotierter Aktien im Oktober 2008.
- Grundlegende Überprüfung der bestehenden Kapitalanlagerichtlinien im Dezember 2008. Auch unter den aktuellen Bedingungen waren kaum Anpassungen notwendig; allerdings wurden die Limite insbesondere zu gedeckter Ware, ABS und MBS weiter verfeinert.
- Bereitstellung eines Mindestbetrages an Liquidität oder jederzeit liquidierbaren Anlagen in Höhe von mindestens 4 Mrd. EUR oder rund 20 % der selbstverwalteten Kapitalanlagen aufgrund der seit September 2008 unverändert illiquiden Sekundärmärkte und der entstandenen Risiken im Zusammenhang mit der Anerkennung von LOCs durch Zedenten.