Schaden-Rückversicherung
Mit den Vertragserneuerungen zum 1. Januar 2009 - zu diesem Termin werden gut zwei Drittel unserer Verträge neu verhandelt - sind wir sehr zufrieden. Die Situation auf den Rückversicherungsmärkten zeigte sich deutlich verbessert. Auslöser hierfür ist die Finanzmarktkrise, die für eine Kapitalverknappung in der weltweiten Assekuranz gesorgt und damit die Nachfrage nach Rückversicherungsdeckungen angekurbelt hat. Ratenreduzierungen waren kaum mehr festzustellen, hingegen aber Ratenerhöhungen im teilweise zweistelligen Bereich. Dies gilt vor allem für das Katastrophengeschäft, insbesondere für jene Programme, die 2008 von Schäden getroffen waren. Aber auch für die weltweite Kredit- und Kautionsrückversicherung, wo es zu Ratenerhöhungen von bis zu 50 % kam. Attraktiv stellte sich weiterhin das Deutschlandgeschäft dar.
In der Erneuerungssaison hat sich abermals gezeigt, dass Zedenten dem Rating der Rückversicherer eine große Bedeutung beimessen; insbesondere gilt dies für die Zeichnung von lang abwickelndem Haftpflichtgeschäft. Hier ist ein sehr gutes Rating die notwendige Voraussetzung, um überhaupt zur Angebotsabgabe aufgefordert zu werden. Die Hannover Rück ist mit ihren sehr guten Einschätzungen („AA-“ von Standard & Poor’s und „A“ von A.M. Best) einer der wenigen Rückversicherer, die diese Bedingung uneingeschränkt erfüllen.
Mit den Marktbedingungen in Deutschland sind wir sehr zufrieden: Unsere Tochtergesellschaft E+S Rück hat auf ihrem Heimatmarkt eine sehr zufriedenstellende Vertragserneuerung erlebt.
Im Kraftfahrt-Haftpflichtgeschäft konnten wir nach einer über mehrere Jahre reduzierten Basisprämie im Originalmarkt und verteuerter Aufwendungen für Personenschäden deutliche Ratensteigerungen erzielen. Angesichts der im Jahre 2008 getragenen Kumulschäden waren auch im Kaskobereich signifikante Konditionsverbesserungen möglich.
In der Unfallversicherung bleiben die Preise und Bedingungen für die E+S Rück weiterhin auf einem sehr erfreulichen Niveau. Wir werden auch in Zukunft in dieser Sparte unsere Kunden nicht nur durch die Übernahme von Risiken in der Vertrags- und fakultativen Rückversicherung unterstützen, sondern ihnen Produktinnovationen anbieten.
Im Sach-Katastrophengeschäft stiegen erwartungsgemäß angesichts eines schadenintensiven Jahres die Raten deutlich an.
Unseren bereits hohen Marktanteil in Deutschland konnten wir dank neuer Kundenbeziehungen bzw. erhöhter Vertragsanteile bei bestehenden Verbindungen weiter steigern und somit unsere Position als einer der führenden Rückversicherer im profitablen deutschen Markt festigen und ausbauen.
Auch in Großbritannien waren wir mit der Vertragserneuerungsrunde zufrieden; in der Kraftfahrtversicherung wie auch im Haftpflichtgeschäft haben wir unser Geschäft dank erhöhter Raten ausgebaut.
+++ 2009/2010 bieten gute Geschäftsbedingungen +++
Angesichts der großen Schadenbelastungen aus Hurrikan „Ike“ im Jahre 2008, aber auch in Folge der weltweiten Finanzmarktkrise kam es zu einem deutlichen Rückgang der Erst- und Rückversicherungskapazitäten im Transportgeschäft, sodass es zu steigenden Raten kam. Erhöhungen waren insbesondere in schadenbelasteten Regionen, wie beispielsweise dem Golf von Mexiko, zu verzeichnen. Hier stiegen die Preise bis zu 35 %. Auch im Luftfahrtgeschäft, wo die Hannover Rück weltweit zu den Marktführern zählt, konnte der Prämienabrieb gestoppt werden.
Auch in den nordeuropäischen Ländern kam es angesichts der Folgen der Finanzmarktkrise zum Stillstand des Ratenabriebs. Um ihre Bilanz abzusichern, kaufen die Erstversicherer zusätzliche Rückversicherungskapazität. Da kleinere Versicherer Probleme haben dürften, ihre angespannte Kapitalsituation aus eigener Kraft zu verbessern, wird im laufenden Geschäftsjahr mit einer Marktkonsolidierung gerechnet.
Auch in den Niederlanden bewirkte die Finanzmarktkrise eine „Aufwertung“ der versicherungstechnischen Rechnung, sodass es in der industriellen Sachversicherung wieder zu Ratenerhöhungen kam. Auch in den übrigen westeuropäischen Ländern verbesserten sich die Geschäftsmöglichkeiten, sodass das Prämienvolumen ausgebaut werden konnte.
Die Ratensituation in Frankreich zeigt sich verbessert. Eine weitere Verbesserung der Preise für Naturkatastrophen dürfte angesichts des schweren Wintersturms „Klaus“ im Januar möglich sein. Die Netto-Schadenbelastung für die Hannover Rück liegt im mittleren bis höheren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Länder Zentral- und Osteuropas sind für uns strategische Wachstumsmärkte, sofern wir auch in Zukunft profitables Geschäft zeichnen können. Erwartungsgemäß haben wir zur Vertragserneuerungsrunde 2009 einen deutlichen Nachfrageanstieg der Versicherer nach qualitativem Rückversicherungsschutz feststellen können. Aufgrund dessen konnten wir sowohl neue Kunden akquirieren als auch unsere Anteile an bestehendem Geschäft erhöhen, insbesondere in Russland und anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Unser Prämienvolumen haben wir deutlich ausgebaut. Die Profitabilität des gezeichneten Portfolios bleibt nach wie vor mehr als zufriedenstellend.
Auch für Nordamerika erwarten wir im Berichtsjahr ein deutlich verbessertes Marktumfeld; Raten- oder Konditionsreduzierungen sind passé. Die in Folge der Finanzmarktkrise verschlechterten Kapitalausstattungen bei den Erstversicherern führten zu einer steigenden Nachfrage nach Rückversicherungsdeckungen und damit zu steigenden Preisen. Insbesondere dort, wo die Rückver sicherungskapazität knapp ist, wie zum Beispiel für das Katastrophengeschäft in exponierten Zonen, wie dem Golf von Mexiko und dem kalifornischen Erdbebengebiet, stiegen die Preise im zweistelligen Bereich. Allerdings waren hier die Preise nur zum Teil risikoadäquat.
Im katastrophenexponierten US-Sachgeschäft war sowohl hinsichtlich der Raten als auch der Bedingungen eine Verhärtung der Marktverhältnisse feststellbar. Erfreulich war auch, dass der Prämienabrieb im US-Haftpflichtbereich gestoppt wurde. Im Manager- und Berufshaftpflichtgeschäft konnten sogar Ratenerhöhungen durchgesetzt werden. Angesichts der Auswirkungen der Finanzmarktkrise gehen wir von weiteren Preisanstiegen zur Jahresmitte aus.
+++ Raten für US-Katastrophengeschäft noch nicht ausreichend +++
Insgesamt rechnen wir für Nordamerika mit einem leicht steigenden Prämienvolumen im laufenden Geschäftsjahr und mit höherenWachstumsraten im Jahr 2010. Angesichts der positiven Rahmenbedingungen werden wir unsere Zurückhaltung des letzten Jahres aufgeben und unser Engagement erhöhen. Unsere gute Marktposition sowie die ausgezeichneten Kontakte zu allen wesentlichen Marktteilnehmern sollten uns dabei unterstützen.
Auch mit den Ergebnissen der Vertragserneuerungen in China sind wir sehr zufrieden. Sowohl die Finanzmarktkrise als auch die Schäden aus dem Schneesturm des Jahres 2008 führten zu einer gesteigerten Nachfrage nach Rückversicherung. Die Vertragsbedingungen im proportionalen Sachgeschäft, das rund 80 % des dortigen Marktvolumens ausmacht, zeigen sich substanziell verbessert. Aufgrund dessen haben wir unser Engagement deutlich ausgebaut. Im nichtproportionalen Sachgeschäft blieben die Preise stabil, bei schadenbelasteten Programmen stiegen sie im zweistelligen Bereich. Wir haben in China unser Prämienvolumen um rund 30 % erhöht. Angesichts der Bedeutung des chinesischen Marktes haben wir unsere Bemühungen für die Zulassung einer Niederlassung für die Schaden-Rückversicherung intensiviert.
In den sonstigen asiatischen Märkten bot sich zur Vertragserneuerungsrunde ein gemischtes Bild. In Taiwan waren die Marktbedingungen weitgehend unverändert; die Bedingungen in den proportionalen Verträgen sind überwiegend stabil. In Japan – hier werden die Verträge größtenteils zum 1. April erneuert – erwarten wir angesichts der Auswirkungen der Finanzmarktkrise ebenfalls steigende Raten.
Sehr erfreulich entwickelt sich weiterhin das Segment Retakaful; auch hier wirkte sich die Finanzmarktkrise positiv auf die Nachfrage nach schariakonformen Produkten aus. Sowohl unsere Tochtergesellschaft in Bahrain als auch unsere Niederlassung in Malaysia konnten deutliche Prämienzuwächse verzeichnen.
+++ Deutlich erhöhtes Prämienvolumen für Retakaful-Geschäft erwartet +++
Zusätzlich zu unserem Vertragsgeschäft werden wir auch im fakultativen Segment – also bei der (Rück-)Versicherung von Einzelrisiken, speziell im Engineering – unser Engagement ausweiten. Eine große Anzahl infrastruktureller Baumaßnahmen wird von islamischen Finanzinstituten finanziert, die sich ihrerseits bei Takaful-Gesellschaften versichern. Wir gehen von einem deutlich erhöhten Prämienvolumen im laufenden Geschäftsjahr aus.
In Lateinamerika haben wir durch unsere neue Repräsentanz in Brasilien unsere Marktpräsenz ausgebaut. Allerdings blieben die Ergebnisse der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar hinter unseren Erwartungen zurück. Im Mittelpunkt unseres Interesses steht das Geschäft mit landwirtschaftlichen Risiken. Auch wenn zum 1. Januar lediglich 15 % des Vertragsbestandes zur Erneuerung anstanden, kann man sagen, dass die Entwicklung in diesem Segment außerordentlich günstig ist. Wir betreiben die Deckung von landwirtschaftlichen Risiken nicht nur in Lateinamerika, sondern weltweit. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir ein substanzielles Prämienwachstum.
Für unser Geschäft in Südafrika erwarten wir 2009 einen Anstieg des Prämienvolumens, der durch unser Spezialgeschäft getrieben ist. Auch bei den strukturierten Produkten gehen wir infolge erhöhter Kapitalanforderungen sowie der Auswirkungen der Finanzmarktkrise von neuen Geschäftsimpulsen aus.
In Australien gehen wir für 2009 von einem Prämienwachstum in Originalwährung aus. Im laufenden Geschäftsjahr wird unsere Tochtergesellschaft International Insurance Company of Hannover in Australien eine Niederlassung eröffnen, um das Spezialgeschäft weiter voranzutreiben.
Weitreichende Auswirkungen hat die Finanz- und Wirtschaftskrise auf die weltweite Kredit- und Kautionsrückversicherung. Die Zahl der Insolvenzen wird steigen und damit auch die Schadenquoten. Angesichts dieses Umfeldes ist eine deutliche Verhärtung der Märkte zugunsten der Rückversicherer festzustellen, und so sind wir mit der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2009 außerordentlich zufrieden. Im proportionalen Kreditgeschäft konnten wir deutlich reduzierte Provisionen durchsetzen. Bei den nichtproportionalen Verträgen waren Ratensteigerungen im mittleren zweistelligen Prozentbereich möglich. Obwohl wir unser Prämienvolumen deutlich ausgebaut haben, haben wir auch signifikante Rückzeichnungen in einigen Geschäftssegmenten vorgenommen. Selbst hohe Preise erschienen uns hier nicht risikoadäquat.
Mit der Entwicklung der strukturierten Rückversicherungsprodukte sind wir sehr zufrieden. Durch Kapitalverluste seitens der Erstversicherer hat sich die Nachfrage deutlich erhöht, besonders nach Surplus-Relief-Verträgen. Unser Ziel ist es, unser Geschäft weiter zu diversifizieren und in Regionen außerhalb der USA auszubauen. Dies ist uns gelungen. Insbesondere in Asien haben wir deutlich zugelegt. Aber auch die Nachfrage auf dem US-Markt ist gestiegen.
Im Bereich der fakultativen Rückversicherung, wo es um die Zeichnung von Einzelrisiken geht, wurden zum 1. Januar rund 40 % unseres Vertragsbestandes erneuert. Hier konnten wir stabile Raten in praktisch allen Märkten feststellen. Seit der Finanzmarktkrise ist zwar die Tendenz hin zu einem härter werdenden Markt spürbar, jedoch sind die Ratenerhöhungen noch relativ unbedeutend. Lediglich im US-Sachgeschäft konnten Preiserhöhungen im niedrigen zweistelligen Bereich erzielt werden. Wir gehen davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte mit weiteren Ratenerhöhungen zu rechnen ist.
+++ Rückversicherer von Rezession kaum betroffen +++
Insgesamt ist festzustellen, dass die Bedingungen in der Schaden-Rückversicherung für uns als Rückversicherer wieder günstig sind und sich sogar im Jahr 2010 noch weiter verbessern sollten.
Die sich weiter ausweitende Rezession wird uns als Rückversicherer kaum treffen, da sich diese primär auf die Gewinn- und Verlustrechnung von Unternehmen auswirkt und weniger auf das zu versichernde Anlagevermögen. Die Konditionen für einen finanzstarken Rückversicherer wie die Hannover Rück sind gut. Die gestiegene Nachfrage seitens der Erstversicherer – durch reduziertes Kapital und gestiegenes Risikobewusstsein – trifft auf ein verringertes Angebot, was zu höheren Preisen führt. Zusätzlich positiv wirkt sich aus, dass das Interesse des Kapitalmarkts an Rückversicherungen nachgelassen hat. Angesichts dieser Bedingungen und unserer sehr guten Diversifizierung sowie dank unseres ausgezeichneten Ratings können wir attraktives Geschäft generieren. Wir haben in der Schaden-Rückversicherung weiterhin unseren Blick auf profitables Nischengeschäft gerichtet, sodass wir für das laufende Jahr mit einer sehr positiven Geschäftsentwicklung rechnen.
Für das Geschäftsfeld Schaden-Rückversicherung gehen wir in Originalwährungen von einem Wachstum der Nettoprämie von 10 % und einem guten Gewinnbeitrag aus.