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Wilhelm Zeller
Vorsitzender des Vorstands |
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im abgelaufenen Jahr wurde das weltweite Finanzsystem in einem nicht vorhersehbaren
Maße erschüttert. So ließen Zweifel an dessen Stabilität weltweit die Aktienkurse einbrechen.
All dies hat Spuren auch in der Bilanz Ihres Unternehmens hinterlassen. Und so
scheue ich mich nicht, von 2008 als einem verlorenen Jahr zu sprechen.
Nachdem wir Ihnen für 2007 einen Rekordgewinn präsentieren konnten, weist die Hannover Rück nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Verlust aus. Das ist schmerzlich. Als großer Kapitalanleger mit einem Anlagevolumen von rund 20 Milliarden Euro konnten leider auch wir uns der Finanzmarktkrise nicht entziehen: Trotz unserer konservativen und diversifizierten Kapitalanlagestrategie haben wir insbesondere im dritten Quartal deutliche Wertberichtigungen vornehmen müssen, allen voran auf Aktienbestände. Der Börsencrash des Jahres 2008 - allein der deutsche Aktienindex Dax büßte, wie Sie wissen, rund 40 Prozent seines Wertes ein - hat unser Kapitalanlageergebnis entsprechend belastet. Hinzu kam, dass Abschreibungen auf Aktien in Deutschland steuerlich nicht abzugsfähig sind und sich die Finanzmarktkrise damit sozusagen doppelt negativ auf unsere Zahlen auswirkte. Dies überlagerte die an sich erfreuliche Entwicklung, dass Ihr Unternehmen in seinem Kerngeschäft nur sehr geringe Belastungen zu verzeichnen hatte.
Verehrte Aktionäre, lassen Sie mich im Gegenzug aber auch einen anderen Aspekt beleuchten. Denn abgesehen davon, was es auf der Kapitalanlageseite zu verdauen galt, ergeben sich für uns nun durchaus positive Folgen aus der Finanzmarktkrise: Der erlittene Kapitalverlust bei den Erstversicherern führt zu einem steigenden Bedarf an Rückversicherung, folglich ziehen die Preise auf den Rückversicherungsmärkten wieder an! Allein für die USA geht man davon aus, dass die Versicherungswirtschaft rund 80 Milliarden Dollar an Kapital verloren hat.
Für diese sich bietenden Chancen ist Ihre Gesellschaft gut gerüstet. Denn die Hannover Rück hat ungeachtet ihres negativen Ergebnisses kein Solvenzproblem. Unsere Finanzstärke ist nachhaltig und robust. Dies bescheinigte uns auch die Ratingagentur Standard & Poor’s, die nach unserer Gewinnwarnung im Oktober unser sehr gutes Rating „AA-“ mit stabilem Ausblick bestätigte. Auch die für den amerikanischen Markt wichtige Ratingagentur A.M. Best bestätigte uns das „A“ Rating mit positivem Ausblick. Damit sind wir nach wie vor ein bevorzugter Ansprechpartner für unsere Kunden. Denn ein Top-Rating ist für einen Rückversicherer einerseits die Voraussetzung, um das gesamte Geschäftsspektrum zur Zeichnung angeboten und zugeteilt zu bekommen, zugleich jedoch auch der Schlüssel dafür, seinerseits jene Verträge auswählen zu können, die die höchste Profitabilität versprechen.
Angesichts dieser stabilen Bonität sind unsere Geschäftsaussichten für 2009 somit ausgesprochen positiv.
Doch ich möchte zunächst zum Berichtsjahr zurückkommen: Mit der versicherungstechnischen Entwicklung unseres Geschäftsfeldes Schaden-Rückversicherung bin ich zufrieden - auch wenn die Großschadenbelastung, insbesondere durch den schweren Hurrikan „Ike“, etwas über unserem Erwartungswert liegt. Obwohl die Preise im Berichtsjahr in einigen wichtigen Märkten von Aufweichungstendenzen gekennzeichnet waren, zeigten sich die Bedingungen weitestgehend akzeptabel. Alles in allem konnten wir 2008 risikoadäquate Preise erzielen.
Unserem Grundsatz „Ertrag geht vor Wachstum“ sind wir im Berichtsjahr unverändert treu geblieben: Wo uns die Raten nicht adäquat erschienen, wie beispielsweise im US-amerikanischen Haftpflichtgeschäft, haben wir das Engagement reduziert und uns gleichzeitig neue Markt- und Produktnischen erschlossen. In Brasilien, dem größten Versicherungsmarkt des südamerikanischen Kontinents, haben wir nach dem Fall des dortigen Rückversicherungsmonopols eine Repräsentanz gegründet. Als „zugelassener“ Rückversicherer genießen wir so eine optimale Ausgangsposition, um an diesem aufstrebenden Markt zu partizipieren.
Verehrte Aktionäre, wie Sie wissen, hat sich Ihr Unternehmen seit Jahren durch den innovativen Transfer von (Rück-)Versicherungsrisiken in den Kapitalmarkt - sowohl im Schaden- als auch im Personen-Rückversicherungsgeschäft - einen Namen gemacht. Im Berichtsjahr sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und ermöglichen nun auch unseren Kunden den Zugang zum Kapitalmarkt, indem wir Risiken, die sich auf eigenständiger Basis hierfür nicht anbieten, für entsprechende Transaktionen bündeln und strukturieren. Im Juni 2008 konnten wir mit „Globe Re“ das erste Projekt dieser Art erfolgreich abschließen. In puncto unseres eigenen Risikomanagements haben wir im Berichtsjahr zudem erneut Katastrophenrisiken in den Kapitalmarkt transferiert, um unsere Kapitalbasis besser vor außergewöhnlichen Großschäden schützen zu können.
Auch in der Personen-Rückversicherung konnten wir 2008 ein Portefeuille an den internationalen Kapitalmärkten platzieren. Mit der als „L7“ bezeichneten Transaktion haben wir unser Risiko weiter diversifiziert und uns eine größere finanzielle Flexibilität im Hinblick auf den weiteren Ausbau unseres Lebens- und Krankenportefeuilles verschafft.
Was die Geschäftsentwicklung in der Personen-Rückversicherung betrifft, so bin ich ebenfalls zufrieden: Das Prämienwachstum verlief zwar längst nicht so stürmisch wie in den Vorjahren; hier wirkten sich die Währungskurse - insbesondere des britischen Pfunds und des US-Dollars - dämpfend aus. Auch konnte das Ergebnis angesichts des herausragenden Vorjahres, das durch eine Reihe von Sondereinflüssen geprägt war, nicht voll überzeugen. Aber, und das ist wichtig: Unsere internationale Marktposition haben wir im Berichtsjahr klar gestärkt. Dabei haben wir die Wachstumsmärkte Asiens fest im Blick. In der Volksrepublik China sind wir seit Mai 2008 ein lokal lizenzierter Rückversicherer und konnten über unsere Niederlassung in Shanghai mehrere neue Kundenverbindungen gewinnen. Auch in Korea, dem größten Lebensrückversicherungsmarkt Asiens, haben wir unsere Geschäftschancen durch eine neue Niederlassung optimiert. In Indien schließlich sind uns durch den Abschluss eines mehrjährigen, exklusiven Kooperationsabkommens mit dem führenden lokalen Rückversicherer die ersten Schritte zur Markterschließung gelungen. Parallel dazu haben wir in Mumbai eine Servicegesellschaft gegründet, die unsere Kundenverbindungen im Lebens- und fakultativen Nichtlebensgeschäft betreut.
Wie ich Ihnen eingangs berichtete, ist unser Kapitalanlageergebnis im Berichtsjahr von den Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten gekennzeichnet. Dem Einbruch der Aktienmärkte konnten wir nur begrenzt ausweichen. Insbesondere im zweiten Halbjahr führten substanziell gesunkene Aktienkurse zu deutlichem Abschreibungsbedarf, während sich die Ausfälle im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere in einem überschaubaren Rahmen bewegten. Nicht zuletzt ist dies auf eine breite Diversifizierung und die hohe Qualität des Portfolios zurückzuführen. Das Berichtsjahr konnten wir mit einer marginal positiven Kapitalanlagerendite abschließen.
Nachdem sich die Hannover Rück-Aktie noch im ersten Halbjahr hervorragend behaupten konnte, verlor sie insbesondere auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise im September beträchtlich an Wert. Aber auch im Oktober, nachdem massive Liquiditätsprobleme bei einer deutschen Bank bekannt wurden, haben alle Finanztitel - und so auch die Hannover Rück-Aktie - extrem gelitten, wenngleich unser Papier zum Ende des Jahres noch Boden gut machen konnte.
Lassen Sie mich nun zu dem Punkt kommen, der Sie, verehrte Aktionäre, verständlicherweise besonders enttäuscht: die Dividende. Aufgrund des negativen Ergebnisses im Berichtsjahr werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vorschlagen, von einer Dividende abzusehen. Warum? Ich bin mehrfach angesprochen worden, dass wir angesichts unserer Gewinnrücklagen doch in der Lage wären, eine Ausschüttung vorzunehmen. Das ist richtig. Aber eine solche Maßnahme würde unsere Kapitalbasis schmälern und damit unsere Möglichkeiten einschränken, im jetzt wieder attraktiver werdenden Markt profitables Geschäft zu zeichnen. Für Ihr Unternehmen hat es sich bewährt, immer dann zu wachsen, wenn die Raten steigen. Für dieses Wachstum benötigen wir Kapital, welches wir gewinnbringend einsetzen werden. Ich hoffe deshalb, dass Sie unseren Dividendenvorschlag in diesem Sinne mittragen.
Blicken wir nun nach vorn. Was können Sie vom laufenden Geschäftsjahr erwarten? Unsere Ziele sind anspruchsvoll, und so streben wir für 2009 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 % an. Die Situation auf den internationalen Rückversicherungsmärkten ist sehr positiv; der „weiche“ Markt hat früher als erwartet sein Ende gefunden. Dies spiegelte sich in der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2009 deutlich wider: In einigen Segmenten konnten Preiserhöhungen teilweise im zweistelligen Prozentbereich erzielt werden, so zum Beispiel im US-amerikanischen Katastrophengeschäft, aber insbesondere auch in der Kredit- und Kautionsrückversicherung. Attraktiv zeigt sich weiterhin unser Heimatmarkt, insbesondere das nichtproportionale Kraftfahrtgeschäft. Für das Gesamtgeschäft gehen wir in Originalwährungen von steigenden Prämieneinnahmen - bei sehr guter Profitabilität - aus.
Ebenfalls günstig stellen sich die Rahmenbedingungen in der Personen-Rückversicherung dar: Auch hier wird die Finanzmarktkrise ein erhöhtes Vorsorgebewusstsein der urbanen Mittelschichten mit sich bringen und damit weltweit für nachhaltige Wachstumsimpulse sorgen. Und: Wir haben mit dem Erwerb eines amerikanischen Einzellebens-Rückversicherungsportefeuilles einen großen Schritt zur Erreichung unserer globalen Ziele in der Personen-Rückversicherung getan. Die Akquisition wird nicht nur zu einem Anstieg unseres Prämienvolumens um über eine Milliarde US-Dollar führen, sondern auch die Diversifizierung unserer Ertragsquellen verbessern. Denn mit dieser Transaktion wird das stabilere Lebensrückversicherungsgeschäft künftig einen deutlich größeren Anteil am Gesamtgeschäft haben.
Verehrte Aktionäre, auch im Namen meiner Vorstandskollegen danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihr Vertrauen. Seien Sie versichert: Wir werden alles tun, um die Hannover Rück für die Chancen und Risiken der kommenden Jahre zu rüsten. Es bleibt unverändert unser Ziel, den Wert Ihrer Gesellschaft nachhaltig zu steigern. In diesem Sinne freue ich mich auf die Herausforderungen des Jahres 2009.
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Zeller
Vorsitzender des Vorstands