6.2 Versicherungstechnische Risiken der Schaden-Rückversicherung
Ein wesentliches versicherungstechnisches Risiko ist die Unterreservierung von Schäden. Die Schadenreserven werden mittels aktuarieller Methoden, primär auf Basis der Informationen unserer Zedenten, ermittelt und im Bedarfsfall durch eigene Schadeneinschätzungen (Zusatzreserven) ergänzt. Insbesondere für Haftpflichtschäden werden aufgrund der langen Abwicklungsdauer Spätschadenreserven gestellt. Die zusätzlich gebildete Spätschadenreserve des Hannover Rück-Konzerns betrug im Berichtsjahr 3.236,2 Mio. EUR. Die Spätschadenreserve wird differenziert nach Risikoklassen und Regionen errechnet. Insgesamt werden in 76 Teilsegmenten die erwarteten Endschadenquoten berechnet. Die hinreichende Bemessung der Schadenreserven für asbestbedingte und Umweltschäden ist durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet, da zwischen Schadenverursachung und Schadenmeldung zum Teil Jahrzehnte liegen. Die Exponierung der Hannover Rück im Hinblick auf asbestbedingte und Umweltschäden ist relativ gering. Die Angemessenheit dieser Reserven wird üblicherweise mittels der „Survival Ratio“ gemessen. Die Kennzahl drückt aus, wie viele Jahre die Reserven ausreichen, wenn die durchschnittliche Höhe der Schadenzahlungen der letzten drei Jahre fortdauern würde. Am Ende des Berichtsjahres lag unsere Survival Ratio bei 25,0.
Excel download (24 KB)Rückstellungen für asbestbedingte Schäden und Umweltschäden
| 2008 | 2007 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einzelschaden-rückstellungen in Mio. EUR | Spätschaden-rückstellungen in Mio. EUR | Survival Ratio in Jahren | Einzelschaden-rückstellungen in Mio. EUR | Spätschaden-rückstellungen in Mio. EUR | Survival Ratio in Jahren | |
| Asbestbedingte Schäden/ Umweltschäden | 23,0 | 127,2 | 25,0 | 26,5 | 119,2 | 26,2 |
Ein weiteres Instrument der Überprüfung unserer Annahmen ist das Schadenabwicklungsdreieck. Das Dreieck zeigt, wie sich die Rückstellung im Zeitablauf durch die geleisteten Zahlungen und die Neuberechnung der zu bildenden Rückstellung zum jeweiligen Bilanzstichtag verändert hat. Die Angemessenheit wird aktuariell überwacht (vgl. hierzu unsere Erläuterungen zu den versicherungstechnischen Rückstellungen in Kapitel 7.2 „Versicherungstechnische Aktiva und Passiva“.
Folgende Großschäden waren für uns im Geschäftsjahr von Bedeutung:
Excel download (23 KB)Großschadenentwicklung
| in Mio. EUR | Katastrophenschäden 2008 | |
|---|---|---|
| Brutto | Netto | |
| Schnee- und Eissturm in China, 10. Januar – 15. Februar | 16,2 | 16,2 |
| Flut in Queensland/Australien, 16. – 20. Januar | 7,1 | 2,3 |
| Flut in Queensland/Australien, 12. – 16. Februar | 6,4 | 2,2 |
| Wintersturm ,,Emma", 1.– 2. März | 17,8 | 13,3 |
| Erdbeben in China , 12. Mai | 8,4 | 8,3 |
| Hagel in Süddeutschland (,,Hilal"), 28. Mai – 3. Juni | 55,7 | 55,2 |
| Flut in den USA, 28. Mai – 20. Juni | 10,0 | 7,2 |
| Hagelstürme in Süddeutschland, 22. – 23. Juni | 12,2 | 12,0 |
| Hagelstürme in Slowenien, 15. August | 5,4 | 5,4 |
| Hurrikan ,,Gustav", 29. August – 2. September | 24,9 | 18,1 |
| Hurrikan ,,Ike", 4. – 12. September | 392,8 | 222,1 |
| 556,9 | 362,3 | |
| Industrie-Feuerschaden in den USA, 5. – 6. Januar | 8,1 | 8,1 |
| Schiffsunglück in Brasilien, 30. Januar | 12,1 | 4,7 |
| Industrie-Feuerschaden in den USA, 18. Februar | 10,7 | 10,7 |
| Industrie-Feuerschaden in Südafrika, 25. Februar | 5,3 | 1,0 |
| Industrie-Feuerschaden in Korea, 3. März | 5,1 | 5,1 |
| Industrie-Feuerschaden in Brasilien, 6. März | 7,5 | 3,6 |
| Betrugsschaden in Japan, 12. März | 6,6 | 6,6 |
| Satellitenausfall, 15. März | 5,2 | 5,2 |
| Industrie-Feuerschaden in den USA, 1. Juni | 5,5 | 5,5 |
| Energieschaden in Australien, 3. Juni | 13,2 | 10,3 |
| Luftfahrtschaden in Spanien, 20. August | 9,6 | 8,7 |
| Industrie-Feuerschaden in Frankreich/England, 11. September | 6,3 | 6,3 |
| Industrie-Feuerschaden in Deutschland, 12. September | 8,9 | 8,9 |
| Industrie-Feuerschaden in Italien, 13. Oktober | 10,8 | 10,8 |
| 114,9 | 95,5 | |
| Gesamt | 671,8 | 457,8 |
Die kombinierte Schaden-/Kostenquote in der Schaden-Rückversicherung stellt sich im Hinblick auf das Prämien-Leistungsrisiko wie folgt dar:
Excel download (21 KB)Entwicklung der kombinierten Schaden-/Kosten- und Großschadenquote über die letzten zehn Jahre
| in % | 20082) | 20072) | 20062) | 2005 | 2004 | 20031) | 20021) | 20011) | 20001) | 19991) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Schaden-/Kostenquote der Schaden-Rückversicherung |
95,4 | 99,7 | 100,8 | 112,8 | 97,2 | 96,0 | 96,3 | 116,5 | 107,8 | 111,1 |
| davon Großschäden3) | 10,7 | 6,3 | 2,3 | 26,3 | 8,3 | 1,5 | 5,2 | 23,0 | 3,7 | 11,4 |
| 1) Auf US GAAP-Basis | ||||||||||
| 2) Werte ab 2006 nach neuer Segmentierung | ||||||||||
| 3) Naturkatastrophen sowie sonstige Großschäden >5 Mio. EUR brutto für den Anteil des Hannover Rück-Konzerns in Prozent der verdienten Nettoprämie | ||||||||||
Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung der versicherungstechnischen Risiken wird zusätzlich zum Reserverisiko auch das Risiko aus dem aufgenommenen Neugeschäft betrachtet. Das Risikokapital für das Prämien- und Reserverisiko pro Sparte ist in der folgenden Grafik dargestellt. Der spartenübergreifende Risikoausgleich wird als Diversifizierung bezeichnet. Wir erhöhen hiermit die Effizienz des eingesetzten Kapitals und reduzieren gleichzeitig die notwendige Eigenkapitalunterlegung. In Abhängigkeit vom Kapitalbedarf unserer Geschäftssegmente und Sparten und von deren Beitrag zur Diversifizierung legen wir die zu erwirtschaftenden Kapitalkosten pro Geschäftseinheit fest.
Im Rahmen der Kumulkontrolle für Katastrophenrisiken aus Naturgefahren bestimmt der Vorstand, ausgehend von der aus der Unternehmensstrategie abgeleiteten Risikostrategie, die Risikobereitschaft für Naturgefahren. Diese Festlegung erfolgt einmal im Jahr und ist damit eine wesentliche Grundlage für unser Zeichnungsverhalten in diesem Segment.
Zur Risikolimitierung werden maximale Zeichnungslimite für verschiedene Extremschadenszenarien und Wiederkehrperioden unter Berücksichtigung von Profitabilitätskriterien festgelegt. Die Einhaltung dieser Limite wird permanent durch das Group Risk Management überwacht. Das Risikokomitee, der Vorstand und das für die Steuerung verantwortliche Gremium der Schaden-Rückversicherung werden über den Auslastungsgrad regelmäßig informiert. Das Limit für den 100- und den 250-Jahresgesamtschaden sowie die Auslastung stellen sich wie folgt dar:
Excel download (6 KB)Naturkatastrophen und Jahresgesamtschäden
| in Mio. EUR | Limit 2008 | Ist-Wert (Juli 2008) |
|---|---|---|
| Alle Naturkatastrophenrisiken, Netto-Exponierung | ||
| 100-Jahres-Gesamtschaden | 864 | 93 % |
| 250-Jahres-Gesamtschaden | 1.123 | 91 % |
Weiterhin ermitteln wir das Risiko des Portefeuilles für verschiedene Szenarien (z. B. US-Hurrikan, Europa-Sturm, US-Erdbeben) in Form von Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Das Instrumentarium der Kumulkontrolle wird durch die sukzessive Einführung von realistischen Extremschadenszenarien vervollständigt.