Hauptnavigation

6.4 Marktrisiken

Oberste Maxime unserer Kapitalanlagestrategie ist der Kapitalerhalt bei ausreichender Berücksichtigung der Sicherheit, Liquidität, Mischung und Streuung der Kapitalanlagen. Die Risiken im Kapitalanlagebereich umfassen insbesondere das Markt-, das Kredit- und Spreizungsrisiko sowie das Liquiditätsrisiko. Zu den Marktpreisrisiken zählen insbesondere die Aktienkurs-, Zinsänderungs- sowie die Währungsrisiken.

Ein wesentliches Instrument zur Überwachung und Steuerung der Marktpreisrisiken ist der Value at Risk (VaR). Die Berechnung des VaR erfolgt auf Basis historischer Daten, z. B. der Volatilität der Marktwerte und der Korrelation der Risiken. Im Rahmen dieser Berechnungen wird der Rückgang des Marktwerts unseres Portefeuilles mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit und innerhalb eines bestimmten Zeitraums simuliert. Der nach diesen Grundsätzen ermittelte VaR der Hannover Rück-Gruppe gibt den Marktwertverlust unseres Gesamtportefeuilles an, der innerhalb von zehn Handelstagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% nicht überschritten wird.

Zur Berechnung des VaR wird ein Multifaktor-Modell von APT (Advanced Portfolio Technologies) verwendet. Datengrundlage bilden alle Anlageklassen der Kapitalanlagebestände. Das APT-Modell unterscheidet drei verschiedene Sichtweisen auf die erwartete Volatilität:


  • Totales Risiko: Annualisierte Volatilität (erwartete Volatilität des Portfolios)
  • Systematisches Risiko: Erwartete Volatilität (durch Modellfaktoren erklärbar)
  • Spezifisches Risiko: Residual (nicht durch Modellfaktoren erklärbar)

Das Modell berücksichtigt folgende Marktrisikofaktoren:

  • Zinsrisiko
  • Credit-Spread-Risiko
  • Systematisches Aktienrisiko
  • Spezifisches Aktienrisiko
  • Rohstoffrisiko
  • Optionsspezifisches Risiko

Als Datenbasis für das APT-Modell dienen Zeitreihen ausgewählter repräsentativer Marktparameter (Aktienkurse, Renditekurven, Spreadkurven, Währungskurse, Rohstoffkurse und makroökonomische Variablen). Sämtliche Korrelationen dieser Zeitreihen werden auf bis zu 25 Hauptkomponenten zurückgeführt, die ihrerseits wiederum per Definition linear unabhängig sind. Sämtliche Anlagepositionen lassen sich in diesem multidimensionalen Raum abbilden. Nicht erklärbare Volatilitäten einzelner Wertpapiere verkörpern das Residual, aus dem das spezifische Risiko des Wertpapiers resultiert.

Der Ermittlung des Value at Risk liegen Normalszenarien der Märkte zugrunde. Um auch Extremszenarien abbilden zu können, werden zusätzlich Stresstests vorgenommen. Hierbei werden die Verlustpotenziale auf Basis bereits eingetretener oder fiktiver Extremereignisse simuliert.

Value at Risk1) im Hannover Rück-Konzern

Value at Risk im Hannover Rück-Konzern (Graphik)

Zur Überwachung von Zinsänderungs- und Aktienkursrisiken nutzen wir auch Stresstests, die das Verlustpotenzial unter extremen Marktbedingungen abschätzen sowie Sensitivitäts- und Durationsanalysen, die unser Steuerungsinstrumentarium ergänzen. Zinsänderungsrisiken bestehen aus einer ungünstigen Wertveränderung der im Bestand gehaltenen Finanzinstrumente aufgrund von Änderungen des Marktzinsniveaus. Sinkende Marktrenditen führen zu Marktwertsteigerungen bzw. steigende Marktrenditen zu Marktwertsenkungen der festverzinslichen Wertpapierportefeuilles. Kongruenz zwischen den Zahlungsströmen der Aktiv- und Passivseite ist eines der zentralen Ziele unserer diesbezüglichen Strategie. Die quantitative Unterlegung dieser Strategie liefert das interne Kapitalmodell der Hannover Rück sowie verschiedenste Value-at-Risk-Kalkulationen. Zusätzlich sind enge taktische Durationsbänder installiert, in denen sich der Assetmanager opportunistisch entsprechend seiner Markterwartungen positionieren kann. Die Vorgaben für diese Bänder sind unmittelbar mit unserer Risikotragfähigkeit verknüpft.

Excel download (6 KB)

Szenarien der Zeitwertentwicklung unserer Wertpapiere

2008 Szenario Bestandsänderung auf Marktwertbasis in Mio. EUR
Festverzinsliche Wertpapiere Renditeanstieg +50 Basispunkte -345,8
  Renditeanstieg +100 Basispunkte -683,5
  Renditerückgang -50 Basispunkte 355,9
  Renditerückgang -100 Basispunkte 720,1
  Marktwerte zum 31.12.2008 18.056,2

Aktienkursrisiken resultieren aus ungünstigen Wertveränderungen, z. B. durch Verluste bestimmter Aktienindizes, der im Bestand gehaltenen Aktien und Aktien- bzw. Indexderivate. Durch gezielte Diversifikation in verschiedene Branchen und Regionen streuen wir diese Risiken.

Excel download (6 KB)

Szenarien der Zeitwertentwicklung unserer Wertpapiere

2008 Szenario Bestandsänderung auf
Marktwertbasis in Mio. EUR
Aktien Aktienkurse +10 % 2,3
  Aktienkurse +20 % 4,5
  Aktienkurse -10 % -2,3
  Aktienkurse -20 % -4,5
  Marktwerte zum 31.12.2008 22,6

Währungsrisiken sind für ein international agierendes Rückversicherungsunternehmen – in dem ein wesentlicher Teil des Geschäfts in Fremdwährung gezeichnet wird – von großer Bedeutung. Da wir konsequent das Prinzip der kongruenten Währungsbedeckung befolgen, werden diese Risiken jedoch weitgehend neutralisiert.

Nähere Informationen zu den Risikokonzentrationen unserer Kapitalanlagen können den Tabellen zur Ratingstruktur der festverzinslichen Wertpapiere sowie zu den Währungen, in denen die Kapitalanlagen gehalten werden, entnommen werden. Wir verweisen auf unsere Darstellungen in Kapitel 7.1 „Kapitalanlagen einschließlich der Erträge und Aufwendungen“.

Zur Teilabsicherung von Beständen, insbesondere im Hinblick auf Preis-, Währungs- und Zinsänderungsrisiken, setzen wir Short-Call- und Long-Put-Optionen sowie Swaps ein. Darüber hinaus haben wir im Berichtsjahr derivative Finanzinstrumente eingesetzt, um unser Portefeuille im Hinblick auf Risiko-Ertrags-Gesichtspunkte zu optimieren. Um Risiken, insbesondere Kreditrisiken aus der Anwendung dieser Geschäfte zu vermeiden, werden die Verträge ausschließlich mit erstklassigen Kontrahenten abgeschlossen und die Vorgaben aus den Anlagerichtlinien strikt kontrolliert.

Infolge der Krise an den internationalen Finanzmärkten haben wir in der zweiten Jahreshälfte des Berichtsjahrs eine Reihe weiterer risikominimierender Maßnahmen getroffen. Wir verweisen dazu auf unsere Erläuterungen zu den Marktrisiken im Risikobericht.