6.5 Kreditrisiken
Kreditrisiken im Bereich des Rückversicherungsgeschäfts sind für uns von Bedeutung, weil das von uns übernommene Geschäft nicht immer vollständig im Selbstbehalt verbleibt, sondern nach Bedarf retrozediert wird. Unsere Retrozessionäre werden deshalb unter Bonitätsgesichtspunkten sorgfältig ausgewählt. Dies gilt auch für unsere Maklerbeziehungen, in denen z. B. durch den Verlust der durch den Zedenten an den Makler gezahlten Prämie bzw. Doppelzahlungen von Schäden Risiken auftreten können. Die damit verbundenen Risiken werden deshalb durch verschiedene Mechanismen minimiert. Beispielsweise werden alle Maklerbeziehungen einmal pro Jahr auf Kriterien wie Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, Zahlungsverhalten und ordnungsgemäße Vertragsabwicklung überprüft.
Dem Risiko des Ausfalls von Forderungen gegenüber Retrozessionären begegnet die Hannover Rück, indem unsere Partner durch ein fachmännisch besetztes Security-Komitee sorgfältig ausgewählt werden. Das Security-Komitee überwacht dabei fortlaufend die Bonität der Retrozessionäre und beschließt gegebenenfalls Maßnahmen zur Besicherung der Forderungen. Der Bereich Group Protections ist dabei für die laufende Abgabensteuerung der Hannover Rück-Gruppe verantwortlich. Dieser Prozess wird durch unsere webbasierte Risiko-Management-Applikation „Cession Limits“ unterstützt. Sie dient der Unterstützung der Abgabensteuerung der Hannover Rück-Gruppe, indem sie Abgabenlimite für die einzelnen, an den Schutzdeckungsprogrammen beteiligten Retrozessionäre vorgibt und die noch freien Kapazitäten für kurz-, mittel- und langfristiges Geschäft ermittelt. Abhängig von der Art und der erwarteten Abwicklungsdauer des rückversicherten Geschäfts fließen bei der Auswahl der Rückversicherer neben Mindestratings der Ratingagenturen Standard & Poor’s und A. M. Best auch noch interne und externe (z.B. Marktinformationen von Maklern) Experteneinschätzungen ein.
Die wesentlichen Steuerungskennzahlen des Kreditrisikos stellen sich wie folgt dar:
- 95,5 % unserer Retrozessionäre sind mit einem sogenannten Investment-Grade-Rating klassifiziert (AAA bis BBB), davon verfügen 95,3 % über ein Rating in der Kategorie A oder besser.
- Seit dem Jahr 2004 konnten wir die Höhe der Forderungen um insgesamt 50,0 % senken.
- Unsere Forderungen aus dem in Rückdeckung gegebenen Geschäft sind zu 30,3 % durch Depots oder Avalbürgschaften gesichert. Bei den meisten unserer Retrozessionäre sind wir auch Rückversicherer, d. h., es besteht meist ein Aufrechnungspotenzial mit eigenen Verbindlichkeiten.
- Bezogen auf die wesentlichen Gesellschaften des Hannover Rück-Konzerns waren zum Bilanzstichtag 290,3 Mio. EUR 10,4 %) unserer Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft in Höhe von 2.801,8 Mio. EUR älter als 90 Tage.
- Die durchschnittliche Ausfallquote der letzten drei Jahre betrug 0,3 %.
Aus der Retrozession, d. h. der Abgabe von Teilen der von uns übernommenen Risiken, resultieren Ansprüche, die wir gegenüber unseren Retrozessionären haben. Diese Rückversicherungsforderungen - die Anteile der Rückversicherer an der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle - belaufen sich zum Bilanzstichtag auf 2.079,2 Mio. EUR (2.471,6 Mio. EUR).
In der folgenden Grafik wird die Entwicklung der Anteile der Rückversicherer an der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle dargestellt.
Forderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft zum Bilanzstichtag
Die Grafik verdeutlicht die hohe Besicherung unserer Rückversicherungsforderungen. Sie gibt weiterhin Aufschluss über die Ratingqualität unserer Retrozessionäre.
Der Selbstbehalt, also der Teil der übernommenen Risiken, den wir nicht retrozedieren, hat sich in den letzten Jahren wie folgt entwickelt:
Excel download (6 KB)Selbstbehalt der gebuchten Bruttoprämie
| in % | 2008 | 2007 | 2006 | 20051) | 20041) |
|---|---|---|---|---|---|
| Hannover Rück-Konzern | 89,1 | 87,4 | 76,3 | 79,2 | 77,6 |
| Schaden-Rückversicherung | 88,9 | 85,3 | 72,4 | 85,9 | 83,0 |
| Personen-Rückversicherung | 89,3 | 90,8 | 85,4 | 92,8 | 90,2 |
| 1)Werte für 2004–2005 vor neuer Segmentierung | |||||
Die im Folgenden dargestellten Kennzahlen repräsentieren weitere Instrumente zur Überwachung und Steuerung der mit unserer gesamten Geschäftstätigkeit verbundenen Kreditrisiken.
Excel download (7 KB)Steuerungskennzahlen
| 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Solvabilitätsspanne1) | 66,7 % | 72,6 % | 68,8 % | 61,1 % | 55,1 % |
| Eigenkapitalüberdeckung2) | 41,3 % | 35,0 % | 39,1 % | 45,8 % | 36,5 % |
| Zinsbedienungsfähigkeit3) | 1,9 x | 12,0x | 10,5x | 1,2x | 8,0x |
| Rückstellungen/Prämie4) | 312,4 % | 291,3 % | 305,2 % | 304,8 % | 274,0 % |
| Kombinierte Schaden-/Kostenquote der Schaden-Rückversicherung |
95,4 % | 99,7 % | 100,8 % | 112,8 % | 97,2 % |
| 1)(Eigenkapital + Minderheitskapital + Hybridkapital)/verdiente Nettoprämie | |||||
| 2)Fremdkapital/(Eigenkapital + Minderheitskapital) („debt leverage”) | |||||
| 3)EBIT/Zinszahlungen auf Hybridkapital („interest coverage”) | |||||
| 4)Netto-Rückstellungen/verdiente Nettoprämie (Konzern) | |||||
Zu weiteren Erläuterungen zu den am Bilanzstichtag nicht wertberichtigten, jedoch als überfällig eingestuften versicherungstechnischen und sonstigen Vermögenswerten und den wesentlichen, außerplanmäßigen Abschreibungen des Berichtsjahres verweisen wir auf Kapitel 7.2 „Versicherungstechnische Aktiva und Passiva“ sowie Kapitel 7.12 „Sonstige Aktiva und Passiva“.
Kreditrisiken aus den Kapitalanlagen können sich aus dem Ausfall (Zins und/oder Tilgung) oder der Änderung der Bonität (Ratingreduzierung) der Emittenten von Wertpapieren ergeben. Der Bonitätsbeurteilung – anhand der in den Kapitalanlagerichtlinien festgelegten Qualitätskriterien – kommt bei uns eine zentrale Bedeutung zu.
Excel download (9 KB)Zusammensetzung der festverzinslichen Wertpapiere nach Ratingklassen1)
| Staatsanleihen | Anleihen halbstaatlicher Institutionen | Unternehmens-anleihen | Hypothekarisch/dinglich gesicherte Schuld-verschreibungen | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | in % | in Mio. EUR | |
| AAA | 91,0 | 5.105,8 | 59,9 | 2.763,8 | 5,1 | 239,4 | 78,6 | 2.367,7 |
| AA | 2,3 | 130,0 | 34,1 | 1.572,3 | 20,2 | 939,3 | 13,7 | 414,1 |
| A | 4,3 | 241,3 | 5,1 | 237,4 | 54,9 | 2.553,1 | 1,8 | 54,1 |
| BBB | 2,2 | 123,6 | 0,7 | 30,5 | 14,4 | 668,4 | 2,4 | 71,5 |
| < BBB | 0,2 | 12,3 | 0,2 | 10,2 | 5,4 | 252,5 | 3,5 | 106,1 |
| Gesamt | 100,0 | 5.613,0 | 100,0 | 4.614,2 | 100,0 | 4.652,7 | 100,0 | 3.013,5 |
| 1)Über Investmentfonds gehaltene Wertpapiere sind anteilig mit ihren jeweiligen Einzelratings berücksichtigt. | ||||||||
Auf Marktwertbasis wurden 2.482,9 Mio. EUR der von uns gehaltenen Unternehmensanleihen von Unternehmen der Finanzindustrie begeben. Hiervon entfallen 1.749,5 Mio. EUR auf Banken. Der überwiegende Teil dieser Bankanleihen (nahezu 90 %) ist mit einem Rating von ,,A" oder besser bewertet.
Es befinden sich - vor dem Hintergrund der US-Immobilien- und Kreditkrise - keine direkt gezeichneten Kreditderivate in unserem Kapitalanlagenportefeuille. Wir haben keine außerbilanziellen Risiken über strukturierte Transaktionen mit Zweckgesellschaften gezeichnet. Unser Portefeuille an hypothekarisch oder dinglich gesicherten Wertpapieren enthielt zum Bilanzstichtag zu über 88 % Pfandbriefe, Kommunalobligationen und vergleichbar besicherte Anleihen, zu 5 % Commercial Mortgage-Backed Securities sowie zu 4 % Residential Mortgage-Backed Securities.
Den letztgenannten Titeln, die auch Hypothekendarlehen niedriger Bonität umfassen, lagen zum Bilanzstichtag auf Marktwertbasis bei 31,0 Mio. EUR zum Teil Subprime-Vermögenswerte zugrunde. Die auf diesem Bestand basierenden Abschreibungen beliefen sich auf 15,7 Mio. EUR. Zudem hielten sich auch Wertberichtigungen bedingt durch Insolvenzen von Finanzinstituten in vergleichsweise moderaten Grenzen. Die Ausfälle von Lehman Brothers, Washington Mutual und Bradford & Bingley verursachten Abschreibungen in Höhe von 28,1 Mio. Euro. Hiervon entfielen 25,6 Mio. EUR auf festverzinsliche Wertpapiere und 2,5 Mio. EUR auf Eigenkapitaltitel.
Wir verweisen hierzu auch ergänzend auf unsere Erläuterungen im Risikobericht zu risikominimierenden Maßnahmen infolge der Krise auf den internationalen Finanzmärkten.