Geschäftsverlauf
Wie erwartet haben sich die Finanzmarktkrise und die damit einhergehende Kapitalverknappung seitens der Erstversicherer im Berichtsjahr stimulierend auf unser operatives Geschäft ausgewirkt.
Rückversicherung als Instrument des Kapitalmanagements für unsere Kunden hat im Berichtsjahr an Attraktivität gewonnen, vor allem in kapitalintensiven Segmenten der Schaden-Rückversicherung. Angesichts dessen konnten wir 2009 deutliche Ratensteigerungen durchsetzen; in einigen Sparten wie der Kredit- und Kautionsrückversicherung sogar im zweistelligen Prozentbereich. Auch wenn unsere Erwartungen in einzelnen Bereichen über den realisierten Preiserhöhungen lagen, so sind wir mit der Entwicklung des Geschäftsfelds Schaden-Rückversicherung insgesamt doch sehr zufrieden. Im Zuge dieser Marktchancen sind wir nach Jahren rückläufiger Prämieneinnahmen im Berichtsjahr wieder gewachsen, und zwar deutlich.
Die Vertragserneuerungsrunden haben abermals gezeigt, dass Zedenten dem Rating der Rückversicherer eine große Bedeutung beimessen, vor allem, wenn es um die Zeichnung von lang abwickelndem Haftpflichtgeschäft geht. Hier ist ein sehr gutes Rating die Voraussetzung, um das gesamte Geschäftsspektrum zur Zeichnung angeboten und zugeteilt zu bekommen. Mit unseren sehr guten Ratings („AA–“ von Standard & Poor’s und „A“ von A.M. Best) sind wir einer der Rückversicherer, die diese Bedingung erfüllen.
Außerordentlich zufriedenstellend entwickelte sich unser zweites Geschäftsfeld: die Personen-Rückversicherung. Angesichts einer deutlich schwächeren Solvenzposition bei den Lebensversicherern stieg der Bedarf an Rückversicherungslösungen weiter an; und so wurden im Berichtsjahr vermehrt risiko- und finanzorientierte Produkte nachgefragt. Positiv wirkte sich auch die Wertaufholung bei den Wertpapierdepots aus, die auf Rechnung der Hannover Rück bei den Zedenten gehalten werden.
Zentrales Ereignis für die Personen-Rückversicherung war im Berichtsjahr der Erwerb eines großen US-amerikanischen Lebensrückversicherungsportefeuilles. Damit haben wir die Weichen für weiteres profitables Wachstum gestellt. Die Transaktion stärkt unser Geschäftssegment der Risikorückversicherung in den USA, wo wir bislang unterrepräsentiert waren. Dank dieser Akquisition hat sich die Diversifikation unserer Ertragsquellen verbessert, da das stabilere Lebensrückversicherungsgeschäft nun einen noch größeren Anteil am Gesamtgeschäft ausmacht.
Mit der Entwicklung unserer Kapitalanlagen sind wir zufrieden. Aufgrund der positiven versicherungstechnischen Mittelzuflüsse stiegen die selbstverwalteten Kapitalanlagen weiter auf 22,5 Mrd. EUR an. Die ordentlichen Kapitalanlageerträge blieben aufgrund des insgesamt gesunkenen Zinsniveaus mit 810,5 Mio. EUR leicht hinter dem Wert der Vergleichsperiode zurück (829,8 Mio. EUR). Die Depotzinserträge stiegen auf 276,8 Mio. EUR (199,6 Mio. EUR). Abschreibungen auf Wertpapiere (ohne Immobilien) haben wir in Höhe von 141,3 Mio. EUR vorgenommen (479,9 Mio. EUR). Davon entfielen 92,6 Mio. EUR (26,9 Mio. EUR) auf alternative Anlagen – im Wesentlichen Private-Equity- und Immobilienfonds. Angesichts des geringen Bestands an Aktien waren Abschreibungen von nur 3,2 Mio. EUR (356,1 Mio. EUR) vorzunehmen. Bei festverzinslichen Anlagen halbierten sie sich auf 45,4 Mio. EUR (96,9 Mio. EUR).
Den Abschreibungen standen angesichts gestiegener Marktwerte Zuschreibungen auf in Vorperioden abgeschriebene festverzinsliche Wertpapiere in Höhe von 20,1 Mio. EUR gegenüber. Weitere positive Effekte ergaben sich aus der Bilanzierung der in Versicherungsverträgen eingebetteten Finanzderivate sowie aus zerlegungspflichtigen strukturierten Produkten, sodass deren Marktwerte um insgesamt 100,6 Mio. EUR (–119,7 Mio. EUR) ergebniswirksam stiegen.
Somit konnten wir trotz des insbesondere in der ersten Jahreshälfte schwierigen Marktumfelds das Netto-Kapitalanlageergebnis aus selbstverwalteten Anlagen gegenüber der Vergleichsperiode wieder auf das erwartete Maß in Höhe von 843,6 Mio. EUR (78,9 Mio. EUR) steigern. Unter Berücksichtigung der Depotzinserträge beläuft sich unser Kapitalanlageergebnis auf 1,1 Mrd. EUR (276,8 Mio. EUR).
Die Bruttoprämie für das Gesamtgeschäft stieg um 26,5 % auf 10,3 Mrd. EUR (8,1 Mrd. EUR). Bei konstanten Währungskursen wäre das Prämienvolumen um 26,1 % gestiegen. Infolge der Finanzmarktkrise wurde unsere Kapitalmarkttransaktion „K6“ mit einem geringeren Volumen platziert, sodass sich der Selbstbehalt von 89,1 % auf 92,6 % erhöhte. Angesichts dessen wuchs die verdiente Nettoprämie mit 31,8 % noch stärker, und zwar auf 9,3 Mrd. EUR (7,1 Mrd. EUR).
Mit der Entwicklung unserer Geschäftsergebnisse sind wir sehr zufrieden. Das operative Ergebnis (EBIT) erhöhte sich außerordentlich stark auf 1,1 Mrd. EUR. Das Ergebnis des Vergleichsjahres 2008 von lediglich 148,1 Mio. EUR war geprägt durch die Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Das Konzernergebnis für 2009 stieg – auch durch die Sondereffekte aus dem ING-Lebensrückversicherungsportefeuille und unseren Depotforderungen – um 858,2 Mio. EUR auf 731,2 Mio. EUR. Das Ergebnis je Aktie betrug 6,06 EUR (–1,05 EUR).
Als Mittel der Risikoreduzierung bedienen wir uns der Retrozession, das heißt, wir geben Teile der von uns in Deckung genommenen Risiken an andere Rückversicherer weiter. Die Rückversicherungsforderungen aus Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle – also Ansprüche, die wir gegenüber unseren Retrozessionären haben – reduzierten sich im Jahresverlauf auf 1,7 Mrd. EUR (2,1 Mrd. EUR). Nach wie vor legen wir großen Wert auf die Qualität unserer Retrozessionäre: 96,0 % der Gesellschaften, zu denen wir derartige Geschäftsbeziehungen unterhalten, sind von Standard & Poor’s mit einem sogenannten Investment-Grade-Rating von „BBB“ oder besser eingestuft.
Neben der traditionellen Retrozession schützen wir unser Kapital auch dadurch, dass wir Versicherungsrisiken in den Kapitalmarkt transferieren.