Kredit und Kaution
Angesichts der Rezession war die Situation in der Kredit- und Kautionsversicherung schwierig. Die Auswirkungen zeigten sich besonders deutlich in Ländern, die entweder von der Immobilienkrise stark betroffen waren, wie die USA, Spanien, Irland und Großbritannien, oder stark exportabhängig sind, wie beispielsweise Deutschland und Japan. Gleichwohl war im vierten Quartal eine gewisse Bodenbildung zu beobachten.
Da die Insolvenzzahlen gestiegen sind, hatten die Erstversicherer im Berichtsjahr deutlich erhöhte Schadensätze zu verzeichnen; insbesondere galt dies für die Kreditsparte. Infolgedessen setzte eine drastische Sanierung des Geschäfts ein. So stiegen – bei reduzierten Haftungen – die Prämien im niedrigen zweistelligen Bereich. In einigen Fällen waren sogar Steigerungen von 50 % bis 100 % möglich. Auch im Kautionsgeschäft zogen die Raten an, allerdings waren die durchschnittlichen Steigerungen aufgrund niedrigerer Schadensätze schwächer.
Parallel zu den Sanierungsmaßnahmen im Kreditversicherungsbereich wurden in den meisten europäischen Ländern staatliche Hilfsprogramme aufgelegt, die den Risiken mit geringerer Risikoqualität den Zugang zu Kreditversicherungsdeckungen erleichtern sollen. Auch in Deutschland wurde ein solches Programm umgesetzt. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass mit diesen Maßnahmen das Geschäftsmodell der Kreditversicherer aber nicht infrage gestellt wird.
Für die Rückversicherung stellte sich die Schadensituation ähnlich dar wie in der Erstversicherung, wenngleich das nichtproportionale Geschäft kaum schadenbelastet war.
In der weltweiten Kredit- und Kautionsrückversicherung gehört die Hannover Rück zu den Marktführern. Wir konzentrieren uns, wie in den Vorjahren auch, ausschließlich auf das Kerngeschäft der Kredit- und Kautionssparten. Finanzgarantien und Credit Default Swaps zeichnen wir nicht; Randgeschäfte wie z. B. Schiffbaugarantien, haben wir vermieden. Auch konnten wir unsere Haftungsumfänge in einigen Bereichen reduzieren. Insgesamt haben wir unser Geschäft noch restriktiver als bisher gezeichnet und unser Portefeuille weiter diversifiziert – sowohl nach Produkten (Kredit und Kaution sowie politisches Risiko) als auch nach Regionen. Im Berichtsjahr konnten wir sowohl von gestiegenen Prämien als auch von verbesserten Konditionen profitieren.
Ungeachtet dessen war die Kreditsparte von besonders stark gestiegenen Schadenquoten in der ersten Jahreshälfte geprägt. Sanierungsmaßnahmen haben in der zweiten Jahreshälfte zu einer geringeren Schadenfrequenz geführt. Gleichwohl war das Berichtsjahr – im Gegensatz zu den Vorjahren – von einer deutlich erhöhten Schadenlast geprägt. Positiv war jedoch, dass trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds kein Einzelschaden höher als 5 Mio. EUR lag. Im Kreditrückversicherungsgeschäft konnten wir im Berichtsjahr durchschnittliche Ratenerhöhungen von 10 % bis 25 % erzielen, in Einzelfällen sogar bis 50 % und 100 %.
Günstiger stellte sich die Situation im Kautionsbereich dar. Hier waren die Schadensätze überwiegend akzeptabel. Die Prämieneinnahmen vieler Zedenten sanken angesichts geringerer Transaktionszahlen, aber auch aufgrund einer deutlich restriktiveren Zeichnungspolitik. In der Kautionssparte konnten wir durchschnittlich 5 % bis 10 % Prämienerhöhungen generieren.
Einen zufriedenstellenden Verlauf zeigte das Geschäft mit politischen Risiken. Auch in diesem Segment waren deutliche Ratenerhöhungen zu erzielen.
Wir haben im Berichtsjahr die deutlichen Preiserhöhungen genutzt und unser Geschäft sehr selektiv ausgebaut.
Die Bruttoprämie in der Kredit- und Kautionsrückversicherung konnte deutlich erhöht werden. Auch wenn das Ergebnis angesichts gestiegener Ausfallquoten und unserer vorsichtigen Reservierung lediglich ausgeglichen war, erwarten wir, wenn sich die Schadenquoten erholen, eine Rückkehr in die Gewinnzone für 2010. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote betrug im Berichtsjahr 104,2 % und reflektiert die hohe Schadenfrequenz in der Warenkreditversicherung.