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Marktrisiken

Oberste Maxime unserer Kapitalanlagestrategie ist der Kapitalerhalt bei ausreichender Berücksichtigung der Sicherheit, Liquidität, Mischung und Streuung der Kapitalanlagen. Die Risiken im Kapitalanlagebereich umfassen insbesondere das Markt-, das Kreditausfall- und das Liquiditätsrisiko. Zu den Marktpreisrisiken zählen vor allem die Aktienkurs-, Zinsänderungs- und die Währungsrisiken.

Aktienkursrisiken resultieren aus ungünstigen Wertveränderungen von im Bestand gehaltenen Aktien und Aktien- bzw. Aktienindexderivaten. Durch gezielte Diversifikation in verschiedene Branchen und Regionen streuen wir diese Risiken. Nachdem wir unser Engagement in börsennotierte Aktien während des Vorjahres auf einen marginalen Bestand reduzierten und auch im Berichtsjahr keinerlei Investitionen in dieser Anlageklasse vornahmen, haben naturgemäß die Szenarien der Aktienkursänderungen nur marginale Auswirkungen auf unser Portefeuille.

Value at Risk des Kapitalanlageportefeuilles im Hannover Rück-Konzern (in %)

Value at Risk des Kapitalanlageportefeuilles im Hannover Rück-Konzern (Liniendiagramm) Grafik vergrößern zoom

Der Bestand der festverzinslichen Wertpapiere ist allgemein dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Sinkende Marktrenditen führen zu Marktwertsteigerungen bzw. steigende Marktrenditen zu Marktwertsenkungen des festverzinslichen Wertpapierportefeuilles. Ergänzend ist das Credit-Spread-Risiko zu nennen. Als Credit Spread wird die Zinsdifferenz zwischen einer risikobehafteten und einer risikolosen Anleihe bei gleichbleibender Bonität bezeichnet. Änderungen dieser am Markt beobachtbaren Risikoaufschläge führen analog der Änderungen der reinen Marktrenditen zu Marktwertänderungen der korrespondierenden Wertpapiere.

Währungsrisiken resultieren aus Wechselkursschwankungen – insbesondere dann, wenn ein Währungsungleichgewicht zwischen den versicherungstechnischen Verbindlichkeiten und den Kapitalanlagen besteht. Durch die konsequente Anwendung der bilanziellen kongruenten Währungsbedeckung, also einer weitgehenden Kongruenz der Währungsverteilung zwischen Aktiv- und Passivseite, reduzieren wir dieses Risiko.

Immobilienrisiken können sich aus negativen Wertveränderungen von direkt oder über Fondsanteile gehaltenen Immobilien ergeben. Diese können durch eine Verschlechterung der speziellen Eigenschaften der Immobilie oder einen allgemeinen Marktwertverfall (z. B. die US-Immobilienkrise) hervorgerufen werden. Immobilienrisiken sind für uns aufgrund unseres relativ geringen Bestandes von untergeordneter Bedeutung.

Durch eine Vielzahl risikosteuernder Maßnahmen reduzieren wir die potenziellen Marktpreisrisiken. Ein wichtiges Instrument zur Überwachung und Steuerung der Marktpreisrisiken ist der Value at Risk (VaR). Seine Berechnung erfolgt auf Basis historischer Daten, z. B. der Volatilität der Marktwerte und der Korrelation der Risiken. Im Rahmen dieser Berechnungen wird der Rückgang des Marktwerts unseres Portefeuilles mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit und innerhalb eines bestimmten Zeitraums simuliert. Der nach diesen Grundsätzen ermittelte VaR der Hannover Rück-Gruppe gibt den Marktwertverlust unseres Gesamtportefeuilles an, der innerhalb von zehn Handelstagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % nicht überschritten wird.

Zur Berechnung der VaR-Kennzahlen für den Hannover Rück-Konzern wird ein Multifaktor-Modell verwendet. Das Multifaktor-Modell basiert auf Zeitreihen ausgewählter repräsentativer Marktparameter (Aktienkurse, Renditekurven, Spreadkurven, Währungskurse, Rohstoffkurse und makroökonomische Variablen). Sämtliche Korrelationen dieser Zeitreihen werden durch eine Analyse auf eine sinnvolle Anzahl von Hauptkomponenten zurückgeführt. Alle Anlagepositionen werden auf Einzelpositionsebene durch das APT-Modell abgebildet, d.h. die Marktpreisrisiken aller Einzelpositionen werden durch mathematische Operationen auf die Marktpreisrisikofaktoren des Modells zurückgeführt. Verbleibende Residualrisiken (z. B. Marktpreisrisiken, die nicht direkt durch das Multifaktor-Modell erklärt werden) lassen sich durch Rückwärtsrechnung ermitteln und werden unter der Unkorreliertheitsannahme in die Gesamtrechnung einbezogen.

Das Modell berücksichtigt folgende Marktrisikofaktoren:

  • Zinsrisiko
  • Credit-Spread-Risiko
  • Systematisches Aktienrisiko
  • Spezifisches Aktienrisiko
  • Rohstoffrisiko
  • Optionsspezifisches Risiko
Szenarien der Zeitwertentwicklung unserer Wertpapiere
in Mio. EUR Szenario Bestands-
änderung auf Zeitwertbasis
Eigenkapital-
veränderung vor Steuern
Aktien Aktienkurse
+10 %
+1,9 +1,9
  Aktienkurse
+20 %
+3,8 +3,8
  Aktienkurse
–10 %
–1,9 –1,9
  Aktienkurse
–20 %
–3,8 –3,8
 
Festverzinsliche Wertpapiere Renditeanstieg
+50 Basispunkte
–379,6 –266,8
  Renditeanstieg
+100 Basispunkte
–747,3 –525,1
  Renditerückgang
–50 Basispunkte
+385,3 +273,7
  Renditerückgang
–100 Basispunkte
+782,4 +556,0

Zur Mitte des Berichtszeitraums haben wir unsere VaRBerechnung rekalibriert, wodurch wir nun verstärkt speziellen Szenarien Rechnung tragen, wie wir sie im Zuge der zurückliegenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten beobachten konnten. Die Werte für den Zeitraum vor der Umstellung wurden in der Grafik entsprechend adjustiert. Trotz des daraus resultierenden leichten Anstiegs liegt unser VaR noch immer auf einem sehr komfortablen Niveau von rund 1,0 %.

Um neben den Normalszenarien bei der Ermittlung des VaR auch Extremszenarien abbilden zu können, werden Stresstests durchgeführt. Hierbei werden die Verlustpotenziale auf Marktwerte und Eigenkapital (vor Steuern) auf Basis bereits eingetretener oder fiktiver Extremereignisse simuliert. Weitere wesentliche Risikosteuerungsmaßnahmen sind neben der Durchführung diverser Stresstests, die das Verlustpotenzial unter extremen Marktbedingungen abschätzen, Sensitivitäts- und Durationsanalysen und unser Asset-Liability-Management (ALM). Das interne Kapitalmodell liefert uns die quantitative Unterlegung der Kapitalanlagestrategie sowie verschiedenste VaR-Kalkulationen. Zusätzlich sind enge taktische Durationsbänder installiert, innerhalb derer das Portefeuille opportunistisch entsprechend den Markterwartungen positioniert werden kann. Es liegt eine unmittelbare Verknüpfung zwischen den Vorgaben für diese Bänder und unserer ermittelten Risikotragfähigkeit vor.

Nähere Informationen zu den Risikokonzentrationen unserer Kapitalanlagen können den Tabellen zur Ratingstruktur der festverzinslichen Wertpapiere sowie zu den Währungen, in denen die Kapitalanlagen gehalten werden, entnommen werden. Wir verweisen auf unsere Darstellungen in Kapitel 6.1 „Selbstverwaltete Kapitalanlagen”.

Wir setzen derivative Finanzinstrumente ein, um unser Portefeuille im Hinblick auf Risiko-Ertrags-Gesichtspunkte zu optimieren. Hauptzweck derivativer Finanzinstrumente ist dabei die Absicherung gegen mögliche negative Kapitalmarktsituationen. Im Berichtsjahr haben wir zur Absicherung von Zahlungsströmen aus dem Versicherungsgeschäft in geringem Maße Devisentermingeschäfte genutzt.

Um insbesondere Kreditrisiken aus der Anwendung dieser Geschäfte zu vermeiden, werden die Verträge ausschließlich mit erstklassigen Kontrahenten abgeschlossen und die Exponierungen gemäß den restriktiven Vorgaben aus den Anlagerichtlinien kontrolliert.

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