5. Wesentliche Akquisitionen, Neugründungen und weitere gesellschaftsrechtliche Veränderungen
5.1 Akquisitionen und Neugründungen
Am 23. Oktober 2009 wurde die FUNIS GmbH & Co. KG mit Sitz in Hannover gegründet. Die Hannover Rück AG ist geschäftsführender Kommanditist der Gesellschaft und hält eine Kapitaleinlage in Höhe von 100,0 TEUR, die zum Bilanzstichtag noch nicht eingezahlt war. Die Kapitaleinlage wurde am 25. Januar 2010 geleistet. Der Zweck der Gesellschaft besteht im Halten, Erwerben und Veräußern von Beteiligungen an anderen Gesellschaften.
Am 13. Juli 2009 hat die GLL HRE Core Properties L. P. mit Sitz in Wilmington, Delaware/USA, ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. Die Gesellschaft gehört zu 99,9 % der Hannover Re Real Estate Holdings, Inc., Orlando/USA und wird in deren Teilkonzernabschluss voll konsolidiert. Der Geschäftszweck liegt im Erwerben, Halten und Verwalten von Immobilien in den USA.
Am 20. Februar 2009 hat die Hannover Rück über ihre Tochterunternehmen Hannover Life Reassurance Company of America, Orlando (HLRUS), und Hannover Life Reassurance (Ireland) Ltd., Dublin (HLRIr), den Erwerb des US-amerikanischen ING-Lebensrückversicherungsportefeuilles im Rahmen einer Rückversicherungs- und Vermögenserwerbstransaktion mit der Scottish Re Group Limited, Hamilton, Bermuda, abgeschlossen. Im Rahmen der Transaktion haben die beiden genannten Gesellschaften die versicherungstechnischen Verbindlichkeiten dieses Geschäfts übernommen und im Gegenzug die erforderlichen Vermögenswerte erhalten. Der Abschluss der Rückversicherungsverträge erfolgte mit Wirkung zum 1. Januar 2009, eine Kaufpreiszahlung ergab sich daraus nicht.
Zusätzlich zum Abschluss der Rückversicherungsverträge hat die HLRUS die erforderliche Infrastruktur für das Lebensrückversicherungsgeschäft in Nordamerika zu einem Kaufpreis in Höhe von 12,9 Mio. EUR erworben. Die Infrastruktur umfasst im Wesentlichen die IT-Systeme für die Verwaltung und Quotierung des Geschäfts. In der Folge wurde auch ein Teil der Belegschaft der Scottish Re Group übernommen. Nach den Vorschriften des IFRS 3 „Business Combinations“ bilanziert die Hannover Rück diese Akquisition wie einen Unternehmenszusammenschluss, da die Rückversicherungsverträge und die zu ihrer Verwaltung notwendigen Systeme in Verbindung mit dem übernommenen Personal als eigenständiger Geschäftsbetrieb im Sinne des IFRS 3 anzusehen sind.
Der Geschäftsbetrieb wurde zum 1. Januar 2009 erstmalig in den Konzernabschluss einbezogen, denn der wesentliche Teil der wirtschaftlichen Risiken und Nutzen war mit vertraglicher Wirkung der Rückversicherungstransaktionen zu diesem Datum der Hannover Rück zuzurechnen. Für die Erstkonsolidierung wurden im Rahmen geeigneter Bewertungsmethoden bei der Ermittlung der Zeitwerte der übernommenen Vermögenswerte und Schulden zum Teil Annahmen und Schätzungen zugrunde gelegt, die auf Prognosen zukünftiger Zahlungsmittelflüsse beruhen. Daher erfolgte der zunächst vorgenommene Einbezug des Geschäftsbetriebs in den Konzernabschluss auf vorläufiger Basis unter Nutzung der bestmöglich verfügbaren Informationen.
Nach IFRS 3 ist diese vorläufige Bilanzierung innerhalb von zwölf Monaten nach dem Erwerbszeitpunkt fertig zu stellen. Sich daraus ergebende Wertänderungen der angesetzten Vermögenswerte und Schulden sind so zu bilanzieren, als ob ihr angepasster beizulegender Zeitwert zum Erstkonsolidierungszeitpunkt von diesem Zeitpunkt an angesetzt worden wäre. Im Verlauf des Berichtsjahrs wurden die vorläufigen Wertansätze der in dieser Transaktion übernommenen Vermögenswerte und Schulden analysiert und waren infolgedessen in Teilen anzupassen.
Nach Fertigstellung der vorläufigen Bilanzierung stellen sich die angepassten Vermögenswerte und Schulden des übernommenen Geschäftsbetriebs zum Erstkonsolidierungszeitpunkt wie folgt dar:
| Vermögenswerte und Schulden des übernommenen Geschäftsbetriebs in TEUR | 1.1.2009 |
|---|---|
| Aktiva | |
| Festverzinsliche Wertpapiere – dispositiver Bestand | 130.348 |
| Laufende Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks und Kassenbestand | 117.170 |
| Depotforderungen | 753.714 |
| PVFP | 104.252 |
| Sonstige Vermögenswerte | 14.309 |
| 1.119.793 | |
| Passiva | |
| Deckungsrückstellung | 981.695 |
| Abrechnungsverbindlichkeiten | 3.398 |
| Rückstellung für latente Steuern | 13.032 |
| Andere Verbindlichkeiten | 16.138 |
| 1.014.263 | |
| Nettovermögenswerte | 105.530 |
Im Zusammenhang mit der Übernahme des Lebensrückversicherungsbestands wurde nach den Regelungen des IFRS 4 in Verbindung mit den für die versicherungstechnische Bilanzierung relevanten US GAAP-Vorschriften ein immaterieller Vermögenswert aktiviert, der den Barwert der zukünftigen Zahlungsmittelflüsse aus den übernommenen Rückversicherungsverträgen repräsentiert (sog. „present value of future profits/PVFP“ oder „value of business acquired/VOBA“). Der Erstansatz des PVFP erfolgte auf Basis anerkannter aktuarieller Bewertungsmethoden („actuarial appraisal method“) zum Zeitwert, in den Folgeperioden wird er planmäßig über die Laufzeit der zugrunde liegenden Rückversicherungsverträge proportional zu den zukünftigen Prämieneinnahmen amortisiert. Zusätzlich wird der immaterielle Vermögenswert regelmäßig auf seine Werthaltigkeit untersucht. Im Ergebnis einer detaillierten Überarbeitung der aktuariellen Bewertungsmodelle war dieser Vermögenswert gegenüber dem ursprünglichen Erstansatz um 14,2 Mio. EUR auf 104,3 Mio. EUR zu erhöhen.
Neue Erkenntnisse aus der Überprüfung und Einzelbewertung der übernommenen Rückversicherungsverträge führten zu einer um 30,3 Mio. EUR auf 981,7 Mio. EUR reduzierten Deckungsrückstellung, zur Ausbuchung der vorläufig angesetzten Anteile der Rückversicherer an der Deckungsrückstellung in Höhe von 26,9 Mio. EUR sowie zu weiteren, insgesamt geringfügigen Korrekturen.
Nach Ansatz aller angepassten erstkonsolidierten Zeitwerte der identifizierbaren Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden ergaben sich insgesamt Nettovermögenswerte in Höhe von 105,5 Mio. EUR nach Steuern.
Unter Berücksichtigung des für die oben beschriebenen sonstigen Vermögenswerte gezahlten Kaufpreises in Höhe von 12,9 Mio. EUR resultiert ein negativer Geschäfts- oder Firmenwert, der nach den Vorschriften des IFRS 3.56 sofort ertragswirksam zu vereinnahmen war.
| Negativer Geschäfts- oder Firmenwert in TEUR | 1.1.2009 |
|---|---|
| Nettovermögenswerte | 105.530 |
| Kaufpreiszahlung für erworbene sonstige Vermögenswerte | 12.878 |
| Negativer Geschäfts- oder Firmenwert | 92.652 |
| Nebenkosten des Erwerbs | 6.210 |
| Nettoertrag | 86.442 |
Nach den Regelungen des IFRS 3 in der für diesen Rückversicherungs- und Vermögenserwerbsvorgang gültigen Fassung zählen die direkt zurechenbaren Nebenkosten der gesamten Transaktion, das sind z. B. Honorare für von Dritten erbrachte Beratungs- und Prüfungsdienstleistungen, zu den Anschaffungskosten.
Die Nebenkosten, deren endgültige Höhe im Verlauf des vierten Quartals 2009 abschließend festgestellt worden ist, beliefen sich auf 6,2 Mio. EUR. Bei Vorliegen eines negativen Geschäftsoder Firmenwerts sind diese Nebenkosten von dem ertragswirksam vereinnahmten negativen Geschäfts- oder Firmenwerts abzusetzen, sodass aus der Transaktion insgesamt ein einmaliger Nettoertrag in Höhe von 86,4 Mio. EUR resultiert. Zum Bilanzstichtag wird die erfolgswirksame Vereinnahmung des negativen Geschäfts- oder Firmenwerts unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen. Die Nebenkosten sind in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung enthalten.
Die gebuchte Bruttoprämie des übernommenen Geschäftsbetriebs vom Erstkonsolidierungszeitpunkt bis zum Stichtag belief sich auf 833,7 Mio. EUR. Für den gleichen Zeitraum war aus dem übernommenen Geschäftsbetrieb ein Ergebnis in Höhe von 44,8 Mio. EUR zu verzeichnen. Darin ist der sonstige betriebliche Ertrag aus der Auflösung des negativen Unterschiedsbetrags nicht enthalten.